CIRCULAR ECONOMY ALS MODELL DER ZUKUNFT

Autor: Patrick Bergmann, Managing Director Madaster Germany

Diese Aussage hätte ich bereits 2011 unterschrieben. Damals absolvierte ich einen Masterstudiengang an der Wageningen University in den Niederlanden und beschäftigte mich ausführlich mit dem Schließen von Stoffkreisläufen in der Bau- und Stadtplanung. Leider besetzte das Thema zu dieser Zeit nur einen Nischenplatz. Seit sich die Gesellschaft in Europa stärker mit Nachhaltigkeitsthemen auseinandersetzt und der Green Deal der Europäischen Kommission das Thema Circular Economy als einen der Eckpunkte ausweist, steigt die Bedeutung jedoch kontinuierlich.

Jetzt ist, meiner Meinung nach, der perfekte Zeitpunkt, um die Kreislaufwirtschaft auch konsequent in der Bauwirtschaft zu denken und umzusetzen. Die Entscheidung für Madaster und damit das Kataster für Materialien in Deutschland aufzubauen, war daher relativ einfach.

Madaster vereint verschieden Aspekte, die auf meinem bisherigen Weg eine wichtige Rolle gespielt haben und die mich persönlich begeistern: Bau, Umwelt, Innovation und Daten.

Bau – Meine ersten Bauwerke entstanden im Sandkasten am Bodensee oder am Strand in der Toskana. Gebäude waren und sind für mich faszinierend. Deren Langlebigkeit, die enormen Ressourcenmengen und die Möglichkeit, soziale Interaktion zu fördern oder zu hindern.

Umwelt – Das Thema Umwelt, die Rolle des Menschen sowie dessen Auswirkungen auf diese haben mich im Bachelorstudium mehr und mehr beschäftigt und dazu geführt, dass ich Urban Management & Environmental Economics an der Wageningen University in den Niederlanden studiert habe. Es war klar, dass dies ein zentrales Thema der Zukunft wird und jede*r Einzelne Teil dieses Systems ist und zur Lösung beiträgt.

Innovation – Mit Innovation und Materialien habe ich mich vor allem in meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden beschäftigt. Das Projekt „Carbon Concrete Composite“ ersetzt die Stahlbewehrung im Beton und ermöglicht so ein schlankeres und ressourceneffizienteres Bauen.

Neben der ökonomischen und ökologischen Bewertung des neuen Materials lag mein Schwerpunkt im Bereich Rückbau und Recycling. Für mich war es schon immer wichtig, Dinge ganzheitlich zu denken –  entlang des gesamten Lebenszyklusses. Gleichzeitig wurde die Komplexität der Thematik offensichtlich: Wie werden Carbonfasern entsorgt? Wiegen die Vorteile des schlanken Bauens die Nachteile in der Produktion der Carbonfasern auf? Welche Anpassungen müssen in Lagerung und Bauprozessen vorgenommen werden, um die Innovation im Markt zu verankern?

Daten – Während meiner Zeit bei PwC in der Immobilien- und Unternehmensbewertung spielten Daten eine zentrale Rolle. Jede Bewertung basiert auf Daten. Des Weiteren gewinnen die Themen Big Data bzw. Data & Analytics eine immer größere Bedeutung und ermöglichen neue Erkenntnisse. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass die Datensicherheit und -transparenz bei der Verwendung nicht vernachlässigt wird.

Madaster gibt Materialien eine Identität und macht sie so unendlich verfügbar. Die Idee ist so simpel wie herausfordernd. Madaster bietet Immobilieneigentümern und anderen Stakeholdern die Möglichkeit, Daten ihrer Immobilien zu speichern, zu verwalten, anzureichern und auszutauschen. Für mich ist dies der zentrale Weg, um das lineare Wirtschaftsmodell zu durchbrechen, den enormen Ressourcenverbrauch einzudämmen und zukünftigen Generationen einen Lebensstandard zu garantieren, wie wir ihn heute haben.

Anpassung und Optimierung innerhalb des alten, linearen Wirtschaftsmodells ist keine Lösung!

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