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Städte als Rohstoffdepots: Pilotvorhaben erprobt erstes Materialkataster für kreislauffähiges Bauen in München

Pressemitteilung 11 may 2026

München, 11.05.2026. Über 500 Millionen Tonnen Baurohstoffe verschlingt die deutsche Baubranche jährlich für Gebäude und Infrastruktur*. Zugleich gilt sie als Hauptverursacher von Abfall. Um dem entgegenzuwirken, hat sich die Landeshauptstadt München im Rahmen ihrer Zero Waste Strategie auf einen innovativen Weg begeben. Ihr Ziel: eine Baustoffbibliothek für München zu etablieren. Als ein zentraler Baustein schafft sie Transparenz über die materielle Zusammensetzung von Gebäuden und hilft, zukünftige Materialströme im Gebäudesektor realistisch zu prognostizieren und im Sinne einer Kreislaufwirtschaft wiedereinzusetzen. Erstellt wird der Pilot eines Gebäudematerialkatasters von der EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer und Madaster Germany. Damit wurden bereits rund 7.500 Gebäude im Münchner Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl ausgewertet.

Betonwände, Holzbalken, Ziegelsteine: Unsere Gebäude und Straßen stecken voller Rohstoffe, die beim Rückbau bisher als Abfall enden oder nur in Teilen minderwertig verwertet werden: Alte Ziegel werden zur Straßenfüllung, Fensterglas zu Flaschen und Holzrahmen zu Pellets. „Ein Wiedereinsatz in gleicher Güte und Qualität findet in Deutschland bisher kaum statt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass wir oft gar nicht wissen, was in unseren Gebäuden steckt“, erklärt Dr. Matthias Heinrich, Experte für Urban Mining bei der EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, entwickelte die EPEA GmbH gemeinsam mit Madaster Germany das digitale Tool Urban Mining Screener, das eine schnelle und fundierte Materialanalyse ermöglicht.

München als Vorreiter für Urban Mining

Ressourcen schonen und Abfallmengen reduzieren – diese Ziele verfolgt auch die Landeshauptstadt München im Rahmen ihres Zero-Waste-Konzepts. Bis 2035 will die bayerische Metropole die Abfälle aus Münchner Haushalten um 15 Prozent und die Restmüllmenge um 35 Prozent verringern**. Das Konzept umfasst über 100 Maßnahmen in verschiedenen Bereichen, darunter auch den Bausektor. In der dort beschriebenen „Baustoff-Bibliothek für München“ stellt die Erprobung eines Materialkatasters einen wichtigen Meilenstein dar, um die Maßnahme zu prüfen und Möglichkeiten der Nutzung von Gebäudekatastern zu erproben.

Dem Referat für Klima- und Umweltschutz der bayerischen Landeshauptstadt zufolge verbraucht München jährlich rund 47 Millionen Tonnen Rohmaterialien, davon rund 60 Prozent allein im Bauwesen und der Infrastruktur. „Bau- und Abbruchabfälle machen einen erheblichen Teil des Abfallaufkommens in München aus. Daher sehen wir hier das größte Potenzial, den Ressourcenverbrauch signifikant zu senken. Das Gebäudematerialkataster, das in Zusammenarbeit mit der EPEA und der Madaster Germany entsteht, bildet dafür eine wichtige Grundlage“, erklärt die Zero Waste Fachstelle im Kommunalreferat. Die bayerische Landeshauptstadt zählt damit zu den ersten Städten in Deutschland, die einen Gebäudematerialkataster pilotiert und erprobt haben.

Pilotprojekt zeigt zirkuläres Potenzial

In einem Pilotprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Zero Waste Fachstelle der Landeshauptstadt München und dem GeodatenService München im Kommunalreferat das digitale Tool Urban Mining Screener erfolgreich erprobt. Das Ergebnis ist das erste Gebäudematerialkataster für den Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl, das künftig flexibel erweitert und auf weitere Stadtgebiete übertragen werden kann.

Insgesamt haben die Expert:innen von EPEA und Madaster im Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl rund 7.500 Gebäude analysiert. Die Auswertung zeigt, dass im untersuchten Gebiet aktuell mehr als 4,4 Millionen Tonnen Beton, über 200.000 Tonnen Metalle sowie zahlreiche weitere Baustoffe verbaut sind. Diese im Gebäudebestand gebundenen Materialien stellen ein bedeutendes urbanes Rohstofflager dar und werden künftig eine zentrale Rolle für die nachhaltige Rohstoffversorgung der Region München einnehmen.

Im weiteren Projektverlauf sollen die Ergebnisse und Erkenntnisse innerhalb der Landeshauptstadt München vorgestellt und diskutiert werden. Vorstellbar wäre, dass die Erkenntnisse weitere Projekte aus der Münchener Kreislaufwirtschaftsstrategie wie das EU-Projekt Circular Construction Finance, kurz CirCoFin, oder die Urban Mining München Initiative zur Erhöhung des Recyclinganteils in der Stadt, kurz UMMI, ergänzen. Das Zero Waste Konzept und die Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie bieten zusammen innovative Lösungsansätze für kreislaufgerechtes Bauen und die Verringerung von Abbruchabfällen.

Weitere Informationen finden Sie hier: Zero Waste Fachstelle München und www.dreso.com

Ansprechpartnerin bei Madaster: Franziska Albrecht (franziska.albrecht@madaster.com)

* Umwelt Bundesamt: Die Nutzung natürlicher Ressourcen. Ressourcenbericht für Deutschland 2022, S. 59.

** Zero-Waste-Konzept für die Landeshauptstadt München. Gesamtkonzept|08.06.2022.

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