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Mehr als ein Pass: Unsere Roadmap von Produktdaten zum Portfolio-Impact

Nachrichten 7 jan 2026

Von Martijn Oostenrijk, CEO bei Madaster
Bei Madaster Connect kam eine Frage immer wieder auf:

Wohin entwickelt sich Madaster und was bedeutet das für meine Assets, Projekte und mein Portfolio?

Dieser Blog ist die Antwort darauf. Er verbindet unsere Grundidee mit den konkreten Schritten, die wir 2026 gehen werden.

Der eine Satz, der zählt

Madaster ist eine Plattform, auf der verifizierte Produkt- und Materialdaten mit Asset-Daten verknüpft werden.

Genau diese Verbindung ist der Hebel: Sie macht aus verstreuten Informationen belastbare Entscheidungsgrundlagen für Gebäude-, Portfolio- und künftig sogar auf Gebietsebene.

Sobald die Verknüpfung über mehr als 100 Produktdatenbanken hergestellt ist, lassen sich drei Arten von Mehrwert erschließen:

  • Kreislauffähigkeit maximieren und Umweltwirkung minimieren – Kennzahlen für Kreislauffähigkeit analysieren und steuern (z. B. Zirkularitätsindex, Demontierbarkeit, Herkunft und Ziel, Wiederverwendungspotenzial) sowie Umweltkennzahlen bewerten (z. B. DGNB, QNG, graue Emissionen, CO₂-Emissionen, Gebäude-Ökobilanz/LCA, Whole-Life Carbon/WLC).
  • Compliance erfüllen und nachweisen – Reporting für DGBC, DGNB, RICS, OGNI, SGNI, BREEAM, CSRD, EU-Taxonomie, GRESB, MPG, MKI, Het Nieuwe Normaal und weitere Rahmenwerke unterstützen und dokumentieren.
  • Finanzielle Performance verbessern – CRREM-Analysen, Asset Value, Zugang zu Green Funds sowie Total Cost of Ownership.

Die gesamte Roadmap folgt diesem Leitprinzip.

Wo Madaster heute steht

Madaster ist heute in 7 Ländern aktiv, mit über 400 Partner:innen und rund 1.800 Nutzer:innen. Die Plattform verbindet drei zentrale Datenströme: Produktdaten, Finanzdaten und Asset-Daten.

1. Produkt- und Materialdaten

Madaster ist mit mehr als 100 verifizierten Datenquellen verbunden, darunter:

  • verifizierte Datenbanken (NMD, Ökobau, BauBUCH, EcoPlatform);
  • generische LCA-/EPD-Datenbanken;
  • und direkte Herstellerdaten (EPD-/DPP-ready; verifiziert und nicht verifiziert).
2. Finanzdaten

Die Plattform ist für Bewertungen und Prognosen mit Preisindizes und Datensätzen zu Restwerten verknüpft.

3. Asset-Daten

Asset-Informationen gelangen in Madaster über:

  • BIM-Modelle;
  • Excel-Importe;
  • API-Anbindungen für Bulk-Uploads ganzer Portfolios.

Zusammen verwandeln diese Datenströme Rohdaten in strukturierte Erkenntnisse für Kreislaufsteuerung, Compliance und finanzielle Planung.

Mehr als „ein Pass“

Ein Materialpass ist eine Methode, kein Ziel! Entscheidend ist, was er ermöglicht.

Materialpässe ordnen Produktdaten so, dass sich damit:

  • graue Emissionen reduzieren lassen;
  • Compliance nachweisen lässt;
  • Stranded Assets vermeiden lassen;
  • und Reuse- sowie Kreislaufstrategien finanzieren lassen.

Auch Zirkularität ist letztlich eine Methode im Dienst größerer Ziele: resiliente Portfolios, regulatorische Sicherheit und bessere risikoadjustierte Renditen.

Madaster bildet diese Methoden über zwei Indikator-Familien ab:

  • Kreislaufindikatoren: Demontagepotenzial, Wiederverwendungspotenzial, Circularity Index, Materialherkunft/-ziel und gebäudebasierte Pässe.
  • Umweltindikatoren: graue und betriebliche CO₂-Emissionen, Whole-Life Carbon/LCA sowie nationale Systeme wie MPG und MKI.

Diese Kennzahlen unterstützen bereits Entscheidungen für:

  • Zertifizierungssysteme (DGBC, DGNB, nationale GBCs, Het Nieuwe Normaal etc.);
  • ESG- und Reporting-Frameworks (CSRD, EU-Taxonomie, Level(s)).
  • Auf der Produktseite richtet sich Madaster an der Construction Products Regulation (CPR) aus, bindet EPDs an und entwickelt sich in Richtung Digital Product Passports (DPP).

Die finanzielle Ebene: von Wirkung zu Wert

Wirkung wird erst dann strategisch, wenn sie sich in finanzieller Sprache ausdrücken lässt, zum Beispiel als Risiko, Wert oder Performance.

Madaster hilft dabei,

  • Restwerte auf Produkt-, Asset- und Portfolioebene zu quantifizieren;
  • nachzuverfolgen, wie sich Asset Values verändern (je nachdem, ob Normen erfüllt werden oder nicht);
  • Zugang zu Green Funds und Fördermitteln über transparente und verifizierte Nachweise zu erleichtern;
  • mit Real-World-Daten Take-back- und Buy-back-Modelle aufzubauen;
  • Product Track & Trace umzusetzen, damit Hersteller wissen, wo ihre Produkte verbaut sind.

Ab 2026 gewinnt das weiter an Bedeutung:

Madaster ist nun Solution Partner von GRESB;
graue Emissionen und weitere Impact-Indikatoren können direkt in ESG-Benchmarks einfließen.
Hier treffen Kreislaufwirtschaft, Compliance und Kapital schließlich zusammen.

Unsere Roadmap 2026: vier Prioritäten

1. Intelligentere Datenverknüpfungen und Integrationen

Wir stärken die Verbindung zwischen Produkt-/Materialdaten und Asset-Daten.

  • Mehr Datenquellen: Weitere Datenbanken – etwa Ecochain – werden direkt an Madaster angebunden, sodass EPD-Daten unmittelbar in der Plattform verfügbar sind.
  • KI-gestützte Datenaufnahme: KI liest EPDs aus und speichert strukturierte Daten automatisch in Madaster. Das erhöht Geschwindigkeit und Konsistenz und reduziert manuellen Aufwand.
  • Engere Anbindung an Planungstools: Integrationen mit BIMcollab, Autodesk und weiteren Umgebungen ermöglichen es, Kreislauf-, CO₂- und Compliance-Auswirkungen direkt im Planungstool sichtbar zu machen.

Kurz gesagt: weniger Reibung, höhere Datenqualität und Impact-Informationen dort, wo Entscheidungen getroffen werden.

2. Methoden, Standards und Zertifizierung

Wir reagieren agil und sind so immer mit den führenden Methoden, Vorschriften und Normen im Gleichlauf.

Dazu gehören Updates von:

  • Methoden für Kreislaufwirtschaft, LCA und WLC/CO₂ entlang relevanter Standards;
  • vollständige Ausrichtung der produktseitigen Datenstruktur an PCDS (Product Circularity Data Sheet) als Baustein in Richtung CPR und DPP;
  • Integrationen mit Drittanbieterlösungen, die schnelle Antworten ermöglichen: „Wie nah ist dieses Projekt/Portfolio an DGNB/EU-Taxonomie/anderen Rahmenwerken?“ und „Wo werden Kriterien erfüllt – und wo nicht?“
  • Wir sprechen weiterhin die Sprachen von Net Zero, Compliance und Finance – gestützt durch eine Datenbasis, die der Markt prüfen und der er vertrauen kann.
3. Von Track & Trace zu Industrial ReUse

Heute können Hersteller nachverfolgen, wo ihre Produkte in der gebauten Umwelt verbaut sind. 2026 gehen wir einen Schritt weiter: von Track & Trace zu Industrial ReUse.

Ermöglicht werden soll, dass Eigentümer und Infrastrukturbetreiber ankündigen können, wann Materialien aus ihren Assets verfügbar werden;
und dass Hersteller sowie andere Marktakteure auf diese zukünftigen Stoffströme reagieren können.


Wichtig: Madaster wird kein Marktplatz und es werden keine Transaktionsgebühren erhoben.


Madaster ist die Matching-Plattform, auf der Daten, Angebot und Nachfrage zusammenfinden.
Logistik, Preisgestaltung und Vertragsbeziehungen bleiben bei den Parteien selbst.
Das Ziel ist klar: hochwertige Materialien sollen skalierbar und mit weniger Hürden im Kreislauf gehalten werden.

4. Zirkularität in der Fläche: das Materialkataster

Zirkularität wird erst dann systemisch, wenn sie über einzelne Projekte oder Assets hinaus steuerbar wird.

Deshalb erweitern wir 2026 die Funktionen unseres Materialkatasters (zunächst für die Niederlande und Deutschland) und erfüllen damit ein Versprechen, das von Anfang an zentral war:

Madaster ist das „Kataster der Materialien“ in der gebauten Umwelt.

Das neue Materialkataster wird öffentlich für Millionen von Objekten Materialbestände und Global Warming Potential (GWP) je Objekt, Quartier, Stadt, Provinz und Land sichtbar machen und Verknüpfungen zu öffentlichen Genehmigungsdaten ermöglichen (Rückbau und Sanierung, Neubau und größere Modernisierungen).


Damit erlaubt es Akteuren der Baubranche:

  • zirkuläre Materialplanung und Urban Mining für Städte, Regionen und Staaten;
  • CO₂-Reporting und Tracking auf Systemebene für große öffentliche und private Portfoliohalter;
  • Szenario-Planung für Politik und Verwaltung, um Kreislaufziele in umsetzbare, datenbasierte Strategien zu übersetzen.

Was das für die Praxis bedeutet

Konkret lädt unsere Roadmap dazu ein:

  • Produkt und Asset verknüpfen: Sicherstellen, dass Projekte verifizierbare Materialdaten erzeugen, die mit Asset-Datensätzen in Madaster verbunden sind.
  • Mit einem Pilotbauteil starten: Zum Beispiel Fassadensystem oder TGA-Modul. Modular und demontierbar planen, Daten dokumentieren und ein Take-back-Szenario testen.
  • Relevantes quantifizieren: WLC/CO₂, MPG, Reuse-Potenzial, Restwerte und TCO messen und damit Entscheidungen steuern.
  • Finanzierer früh einbinden: ESG, Risiko und Restwerte in die Diskussion bringen, solange Entwurfs- und Investitionsentscheidungen noch flexibel sind.
  • Skalierung vorbereiten: Was auf einem Asset funktioniert, auf Portfolio- oder Gebietsebene übertragen, mit dem Materialkataster als zusätzliche Erkenntnisschicht.

Unser Commitment: Wir jagen keinen Buzzwords hinterher. Wir werden:

  • Produkt- und Materialdaten strukturieren,
  • mit Assets verknüpfen,
  • und für Kreislaufwirtschaft, Compliance und Finanzierung nutzbar machen.

Das ist der rote Faden unserer Roadmap und der Filter für unsere Entscheidungen.

Wer tiefer einsteigen oder das Thema an einem realen Asset, Portfolio oder Gebiet pilotieren möchte: Das Team und ich unterstützen dabei gern.

Wir sind bereit, aus Abfall Wert zu machen und aus Daten messbare Ergebnisse.

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