1. Materialien inventarisieren – systematisch und normenkonform
Eine strukturierte Bestandserfassung ist die beste Basis für Bestandserhalt, Wiederverwendung und Recycling. Um die Bestandserfassung zu erleichtern, hat Madaster ein digitales Tool in die Software integriert, den Urban Mining Screener. Er ermöglicht eine grobe Erfassung des Bestandsgebäudes und dient als digitale Grundlage, die durch Begehungen ergänzt werden kann.
Die Daten dienen als Basis für einen digitalen Materialpass. Damit wird das Gebäude als Ressourcendepot nutzbar und keine potenzielle Abfallquelle.
Tipp: Die digitalen Materialpässe von Madaster erfüllen gleichzeitig Vorgaben wie EU-Taxonomie oder DGNB-Kriterien (z. B. ENV 1.1, TEC 1.6).
2. Rückbaufreundlich planen
Rückbaufähigkeit muss im Entwurf verankert sein. Setze lösbare Schraubverbindungen statt Kleber ein und nutze modulare, standardisierte Bauteile. Dann lassen sich Komponenten später demontieren, wiederverwenden oder recyceln.
Beim Luftschiffhangar in Mülheim etwa wurde dieser Ansatz konsequent umgesetzt und strukturell dokumentiert.
Tipp: Beratungen über HOAI-Leistungsphasen 1–3 erweitern, Struktur, Honorar und Planungszeit mit Bauherr:innen abstimmen, um zirkuläre Anforderungen strukturiert einzuplanen.
3. Zirkuläre Materialauswahl
Der Weg zu zirkulärem Bauen führt über die bewusste Auswahl von Baustoffen:
- mit Recyclinganteil
- zertifiziert für Wiederverwendung oder Recyclbarkeit
- begleitet von Rücknahmeprogrammen des Herstellers
- mit digitalem Produktpass für verbesserte Rückverfolgbarkeit
Tipp: In Leistungsverzeichnissen gezielt EPDs bei Herstellern anfragen, um Qualität und Nachhaltigkeit zu sichern.
4. Mit Datenwert bauen
Ein digitaler Materialpass ist mehr als ein Archiv: Er steigert den Wiederverkaufswert, erhöht die Transparenz, fördert Marktchancen und stärkt die Zukunftsfähigkeit des Gebäudes. Ein materielles und rechtliches Asset für Käufer und Betreiber.
Tipp: Systematisch Bauteildaten während der Planung und Ausführung erfassen (as build). Je detaillierter, desto aussagekräftiger für Umbau, Sanierung oder Verwertung.
5. Rückbau früh mitdenken
Ein Rückbaukonzept gehört nicht in die letzte Projektphase, es ist Teil der Planung. Strategien zur Demontage und Wiederverwendung, Kooperation mit Herstellern im Rahmen von Industrial ReUse, reduzieren überflüssiges Bauschuttaufkommen und stellen Materialströme skalierbar sicher.
Tipp: Rückbaukriterien in frühen Risiko- und Übergabeprozessen verankern und Hersteller als Partner einbinden.
6. Neu: Materialkataster für ganze Quartiersstrukturen
Das neue Materialkataster nutzt Daten des IÖR (Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung) zur Analyse ganzer Gebäudebestände. Materialmix, CO₂-Bilanz und Wiederverwendungspotenziale lassen sich damit kartenbasiert visualisieren.
Fazit
Zirkuläres Bauen basiert auf einer neuen Denkweise: Materialien als wertvolle Ressourcen betrachten. Die fünf Schritte helfen, aus theoretischen Vorgaben praktikable Prozesse zu gestalten und messbare Vorteile für Ökonomie, Umwelt und Gebäude zu erhalten.
Madaster unterstützt bei jedem Schritt – als Partner, nicht nur als Tool! Sprich uns an, wir beraten dich gerne für Dein nächstes Projekt!