Urban Mining skalieren

Wie lässt sich Urban Mining vom Einzelfall in industrielle Maßstäbe übertragen? Dieser Frage widmete sich der Workshop „Urban Mining skalieren – die Power von Industrial ReUse“ unter der Leitung von Claudius Frank (Head of Product Management bei Madaster Germany) und Marcel Özer (Geschäftsführer von EPEA – Part of Drees & Sommer).

Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Daten wirklich notwendig sind, damit Produkte und Materialien aus Rückbauprojekten für industrielle Rücknahme, Wiederverwendung und Recycling qualifiziert werden können.

Industrial ReUse ist möglich, aber noch nicht anschlussfähig

Die Ausgangslage ist klar: Industrial ReUse ist technisch bereits möglich. In der Praxis scheitert die Umsetzung jedoch häufig an fehlenden Daten, unklaren Verantwortlichkeiten und Logistiken, die nicht auf industrielle Wiederverwendung ausgelegt sind.

Gleichzeitig ist das Potenzial enorm. In Deutschland fallen jährlich rund 220 Millionen Tonnen Bauabfälle an, während im Gebäudebestand etwa 50 Milliarden Tonnen Rohstoffe gebunden sind. Der Gebäudebestand ist damit eine zentrale Urban Mine der Zukunft.

Daten entscheiden über Planbarkeit

Ein zentrales Learning des Workshops: Industrie kann nicht auf zufällige Materialmengen reagieren. Damit Rücknahme und Wiederverwendung wirtschaftlich funktionieren, müssen Verfügbarkeiten frühzeitig sichtbar und planbar werden.

Dafür braucht es belastbare Informationen zu Menge, Qualität, Zustand, Standort, Ausbauzeitpunkt und möglichen Verwertungswegen. Entscheidend ist nicht maximale Datentiefe, sondern ein verlässliches Mindestniveau, das Rückbau, Logistik, Hersteller und Industrie miteinander verbindet.

Rückbau muss früher gedacht werden

Im Workshop arbeiteten die Teilnehmenden zunächst in Akteursgruppen, etwa Hersteller, Planer, Rückbauer und weitere Beteiligte. Anschließend wurden die Perspektiven zusammengeführt und entlang eines Zeitstrahls vom Rückbau bis zum Industrial ReUse über Madaster eingeordnet.

Die zentrale Erkenntnis war der Faktor Zeit. Damit industrielle Wiederverwendung gelingen kann, müssen relevante Akteure deutlich vor dem Rückbau zusammenkommen. Als Orientierung wurde diskutiert, bereits etwa ein Jahr vor dem geplanten Rückbau Bedarfe, Materialpotenziale und Rücknahmemöglichkeiten sichtbar zu machen.

Bestehende Instrumente, fehlende Standards

Es gibt bereits wichtige Ansätze: den DGNB Gebäuderessourcenpass, Produktpässe, den Urban Mining Screener, Madaster Match, BREEAM-Anerkennung sowie Instrumente wie den Urban Mining Index und das Circularity Design Toolkit von EPEA. Auch politische Entwicklungen wie die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie und der kommende EU-Produktpass zeigen, dass die Richtung klar ist.

Was jedoch fehlt, sind einheitliche Datenstandards für industrielle Rücknahme. Offen bleibt, wer definiert, welche Daten mindestens erforderlich sind und wie diese Informationen zwischen Eigentümern, Planenden, Rückbauunternehmen, Logistik und Herstellern verlässlich weitergegeben werden.

Von der Materialinformation zur industriellen Wiederverwendung

Der Workshop zeigte: Industrial ReUse braucht mehr als gute Absichten. Entscheidend ist vor allem der Faktor Zeit. Informationen müssen früh genug vorliegen, damit Hersteller, Rückbauer und weitere Akteure Potenziale bewerten, Rücknahmelogiken prüfen und tragfähige Business Cases entwickeln können. Bereits zu Beginn braucht es grobe, aber belastbare Angaben wie Baujahr, umbauten Raum, Gebäudetyp und Art der Bebauung.

Ohne diese frühen Informationen bleiben Verfügbarkeiten zufällig und industrielle Wiederverwendung kaum planbar. Gleichzeitig braucht es ausreichend Vorlauf, um neue Wege zwischen Rückbau, Logistik, Aufbereitung und industrieller Nutzung überhaupt erschließen zu können. Gerade durch die örtliche Gebundenheit von Gebäuden können regionale Potenziale früh erkannt und genutzt werden, wenn die relevanten Daten rechtzeitig verfügbar sind. Ein diskutierter Ansatz war deshalb ein vorgelagertes Pre-Screening ergänzend zu Madaster Match, um Materialpotenziale früher sichtbar zu machen und gezielt mit Bedarfen aus der Industrie abzugleichen.

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