madaster CONNECT plus

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Branchen-Wrap-up: Wo steht die Bau- und Immobilienwirtschaft aktuell?

Die Bau- und Immobilienwirtschaft steht an einem Punkt, an dem ESG, Finanzierung und Ressourcendruck gemeinsam neue Entscheidungslogiken erzwingen.

Welche Rolle spielen belastbare Materialdaten, wenn ESG, Finanzierung und Ressourcendruck die Spielregeln der Bau- und Immobilienwirtschaft verändern? Und wie wird aus einzelnen Projekten ein skalierbarer Markt? Genau darum ging es bei Madaster CONNECT.

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Das waren die CONNECT-Impulse

Die Zukunft vorbereiten: Urban Mining in der Praxis

Impuls & Diskussion mit Ivonne Seiler (Anwendungstechnische Beraterin RHEINZINK) und Steven Paton (Leiter Anwendungstechnik & Marketing RHEINZINK)

Der Beitrag von RHEINZINK zeigte sehr konkret, wie Hersteller die Kreislaufwirtschaft bereits aus der Perspektive zukünftiger Materialströme denken. „Wir bereiten die Zukunft vor.“ Gebäude werden dabei nicht als Endstadium verstanden, sondern als Rohstofflager. Entscheidend ist, heute nachzuweisen, dass Materialien langfristig funktionieren, technisch wieder einsetzbar sind und auch wirtschaftlich einen Wert behalten.

Am Beispiel Titanzink wurde deutlich, warum Materialqualität eine zentrale Voraussetzung für Zirkularität ist. Das Material ist langlebig, kann Nutzungsdauern von über 100 Jahren erreichen und bildet eine Zinkcarbonatschicht, die seine Widerstandsfähigkeit erhöht. Damit kann Titanzink typische Gebäudelebenszyklen von 50 bis 60 Jahren ohne größere Reparaturen überstehen. Hinzu kommen die vollständige Recyclingfähigkeit durch Einschmelzung und ein hoher Restwert. Genau hier liegt ein wichtiger Punkt für das zirkuläre Bauen: „Der Wert des Materials kommt irgendwann auch wieder zurück.“

Besonders anschaulich wurde das an der Betrachtung von Städten als Rohstofflager. Allein Paris wurde mit rund 32 Millionen Quadratmetern Titanzinkfläche und einem Potenzial von etwa 300 Millionen Euro beschrieben. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel die besondere Herausforderung: Viele dieser Gebäude sind Teil des kulturellen Erbes. Urban Mining bedeutet hier nicht nur Materialverwertung, sondern den verantwortungsvollen Umgang mit Bestand, Identität und langfristigem Werterhalt.

Ein starkes Praxisbeispiel war das Kiasma Museum in Helsinki. Die Titanzink-Bekleidung wurde im Rahmen einer Sanierung zurückgebaut und nach umfangreichen Materialtests erneut nutzbar gemacht. Das Ergebnis: Das Material war uneingeschränkt verarbeitbar. Teile fanden anschließend ein neues Leben, unter anderem im Besucherzentrum des Weltraumobservatoriums Onsala und bei der Kiviko Sortti Station.

Gleichzeitig wurden die bestehenden Hürden klar benannt. Dazu gehören Normung, Haftungsfragen und der weiterhin starke Fokus auf Investitionskosten. Als Beispiel wurde die EN 988 genannt, die den Einsatz von Sekundärzink erschwert. Das zeigt: Technisch ist vieles bereits möglich. Damit zirkuläre Materialnutzung in die breite Anwendung kommt, müssen aber auch Regelwerke, Verantwortlichkeiten und wirtschaftliche Bewertungslogiken weiterentwickelt werden.

Hier findest Du die Präsentation noch einmal zum Nachlesen >

Urban Mining im Neubau Wie gelingt das, Herr Riedl?

Ein Gespräch mit Daniel Riedl (Mitglied des Vorstands von Vonovia (CDO))

Ein weiterer wichtiger Impuls kam von Vonovia. Daniel Riedl machte deutlich, dass Zirkularität im Portfoliomanagement zunächst beim Erhalt des Bestands beginnt. Bevor über Rückbau, Wiederverwendung oder neue Materialkreisläufe gesprochen wird, steht die Verlängerung der Lebensdauer von Gebäuden im Mittelpunkt. Nachhaltigkeit darf dabei nicht als Aufgabe einer einzelnen Abteilung verstanden werden, sondern muss im gesamten Unternehmen verankert sein: vom Vorstand über Projektentwicklung und Einkauf bis in Planung und Betrieb.

Besonders spannend wurde der Blick auf den Neubau. Mit GROPYUS investiert Vonovia gezielt in digitale Planung, industrielle Vorfertigung und serielle Bauweisen. Unter anderem entstehen daraus 158 Wohnungen in Berlin-Lichtenberg in seriell-modularer Holzbauweise und im Effizienzhaus-55-NH-Standard. Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft ist vor allem die Datengrundlage relevant: Wenn jedes Material und jedes Bauteil präzise erfasst wird, können heutige Neubauten langfristig zu urbanen Minen werden. Ein Materialkataster sichert diese Informationen und schafft die Voraussetzung für spätere Sanierung, Umbau, Rückbau und Wiederverwendung.

Gleichzeitig wurde das Spannungsfeld zwischen Klimapfad, Wirtschaftlichkeit und regulatorischen Rahmenbedingungen offen benannt. Vonovia hält an seinem Klimapfad fest, muss diesen aber mit der wirtschaftlichen Realität im Wohnungsbau in Einklang bringen. Auch der Hinweis auf Tiefgaragen zeigt, wie strategisch Portfoliomanagement künftig gedacht werden muss: Wenn sich Mobilität durch autonomes Fahren verändert, kann sich auch der Bedarf an Stellplätzen grundlegend verschieben.

Für innovative Produkte und Dienstleistungen wurde der Einkauf als zentraler Zugang genannt. Neue Lösungen müssen nicht nur technisch überzeugen, sondern in Beschaffung, Ausschreibungen, Bauabläufe und Kostenstrukturen integrierbar sein. Auf die Frage nach dem Gebäuderessourcenpass fiel die Antwort klar aus: Vonovia baut mit Gebäuderessourcenpass.

Drei Handlungsfelder für mehr ReUse und Recycling

Ralf Pietsch (Geschäftsführer | Rechtsanwalt Abbruchverband Nord)

Ralf Pietsch vom Deutschen Abbruchverband machte deutlich, dass zirkuläres Bauen nicht erst bei Planung und Neubau entschieden wird, sondern sehr früh im Rückbau. Genau hier liegt eines der zentralen Probleme: Rückbauunternehmen sind häufig die ersten auf der Baustelle, werden aber als letzte beauftragt. Gleichzeitig erschweren schlechte Bestandsdokumentationen und enge Zeitpläne die sortenreine Erfassung, Bewertung und Weitergabe von Materialien.

Dabei ist die Rolle der Rückbauer für funktionierende Kreisläufe zentral. Sie haben den ersten Zugriff auf Materialien und können früh einschätzen, welche Bauteile wiederverwendet, hochwertig recycelt oder sicher entsorgt werden müssen. Dafür müssen sie jedoch deutlich früher in Projekte eingebunden werden. Nur so lassen sich Rückbau, Materialprüfung, Logistik und mögliche Anschlussnutzungen sinnvoll planen.

Als zentrale Hebel wurden drei Themen benannt: Verantwortung, Wertschöpfung und Logistik. Verantwortung bedeutet, dass Materialien nicht erst im Moment der Entsorgung betrachtet werden dürfen. Eine Erkundungspflicht wäre notwendig, um frühzeitig Klarheit über Bestand, Schadstoffe und Potenziale zu schaffen. Auch Bauherren stehen hier stärker in der Pflicht, denn Eigentum verpflichtet. Wertschöpfung entsteht nur, wenn Verträge, Vergaben und regulatorische Grundlagen die Wiederverwendung tatsächlich abbilden. In der heutigen Vertragspraxis wird dieses Thema noch zu selten ausreichend berücksichtigt.

Besonders deutlich wurde der Blick auf die Logistik. Wer glaubt, dass zirkuläre Materialströme ohne geeignete Zwischenlager funktionieren, unterschätzt die Realität von Baustellen, Behördenverfahren und Vergabeprozessen. Technische Vergleichbarkeit, Grenzwerte, Haftungsfragen und Zeitdruck erschweren die Umsetzung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie viele zusätzliche Prüf- und Sicherheitsanforderungen wirtschaftlich tragfähig bleiben. Die vorgeschlagene Lösung ist deshalb pragmatisch: Es braucht Bauhöfe und Zwischenlager, damit Materialien nicht direkt zu Abfall werden, sondern geprüft, gebündelt und wieder in den Markt gebracht werden können.

Ein wichtiger Gedanke war auch die Verbindung von Nachhaltigkeit und Kostenreduktion, etwa im Kontext des Hamburger Standards und der Unterarbeitsgruppe Nachhaltigkeit. „LCA könnte Gamechanger sein“, wenn ökologische Wirkungen stärker in Entscheidungen, Ausschreibungen und Vergaben einfließen. Dafür müssen aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einbau wiedergewonnener Materialien vereinfacht werden. Entscheidend ist, ein Angebot zu schaffen, das für Bauherren attraktiv ist und zentrale Mechanismen wie Prüfung, Dokumentation, Haftung und Logistik verlässlich abbildet.

 

Die Folien des Vortrags können auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden: franziska.albrecht@madaster.com

Rechtlicher Rahmen – Recycling, Industrial ReUse und ReUse

Dr. Marthe-Louise Fehse (Rechtsanwältin Fokus Umwelt Produkte Kreislaufwirtschaft Franssen Nusser)

Der Beitrag von Frau Dr. Fehse rückte den rechtlichen Rahmen für Recycling, Industrial ReUse und ReUse in den Mittelpunkt. Dr. Marthe-Louise Fehse machte deutlich, dass zirkuläre Materialnutzung nicht nur eine technische oder organisatorische Frage ist. Entscheidend ist, wie Materialien rechtlich eingeordnet werden: als Abfall, als Produkt, als Bauprodukt, als Eigentum oder als wiederverwendbares Bauteil.

Besonders relevant ist dabei der Übergang vom ersten in den zweiten Verwendungszyklus. Ein Bauteil wird ausgebaut, geprüft, weitergegeben und erneut eingesetzt. Genau an diesem Punkt greifen unterschiedliche Rechtsbereiche ineinander: Abfallrecht, Produktrecht, Kaufrecht, Sachenrecht, Bauordnungsrecht und Lauterkeitsrecht. Für die Praxis bedeutet das: ReUse braucht nicht nur gute Materialdaten, sondern auch Klarheit über Eigentum, Verantwortung, Nachweise und Pflichten entlang der gesamten Kette.

Im Abfallrecht ist die zentrale Frage, ob ein Material überhaupt zu Abfall wird oder ob die Abfalleigenschaft vermieden werden kann. Dafür kommt es unter anderem darauf an, ob eine konkrete Verwendung bestimmt ist, ob diese Verwendung sichergestellt werden kann, ob die Anforderungen an die künftige Nutzung erfüllt sind und ob Umwelt- und Gesundheitsschutz gewährleistet bleiben. Der entscheidende Zeitpunkt ist die Entnahme aus dem Bestandsbauwerk. Genau hier zeigt sich, wie wichtig frühe Planung, Dokumentation und ein konkreter Verwertungspfad sind.

Auch das Produktrecht stellt hohe Anforderungen. Sobald ein Produkt wieder an Dritte abgegeben oder erneut auf dem Markt bereitgestellt wird, können Pflichten rund um Leistungserklärung, CE-Kennzeichnung, technische Unterlagen, Identifikation, Sicherheitsinformationen und behördliche Kooperation relevant werden. Gebrauchte Produkte können rechtlich wie neue Produkte behandelt werden, wenn sie wesentlich verändert werden. Für Industrial ReUse ist deshalb entscheidend, ob ein Bauteil unverändert weiterverwendet, repariert, wiederaufbereitet oder neu in Verkehr gebracht wird.

Im Bauordnungsrecht geht es anschließend um die Verwendbarkeit im konkreten Bauvorhaben. Wenn keine eindeutige CE-Kennzeichnung oder harmonisierte technische Grundlage greift, können Verwendbarkeitsnachweise erforderlich werden, etwa eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder eine Zustimmung im Einzelfall. Damit wird deutlich: ReUse braucht prüfbare Qualität und klare Nachweise, damit gebrauchte Bauprodukte nicht nur theoretisch verfügbar sind, sondern tatsächlich eingebaut werden können.

Ein weiterer Punkt ist das Lauterkeitsrecht. Wer gebrauchte Produkte anbietet, muss über den gebrauchten Zustand aufklären und darf Nachhaltigkeitsvorteile nicht überzeichnen. Das Thema Greenwashing wird damit auch für ReUse relevant. Zirkuläre Baustoffnutzung braucht belastbare Aussagen, nachvollziehbare Dokumentation und eine ehrliche Kommunikation über Zustand, Qualität und Einsatzmöglichkeiten.

Der Beitrag zeigte damit sehr klar: Die rechtlichen Anforderungen sind komplex, aber sie sind kein Gegenargument gegen ReUse. Sie machen vielmehr deutlich, welche Chancen Industrial Reuse (die Rückführung zum Hersteller) hat. Materialdaten, Nachweise, Verantwortlichkeiten und konkrete Anschlussverwendungen müssen früh zusammengeführt werden. Nur dann kann aus Rückbau tatsächlich ein zweiter Verwendungszyklus entstehen.

Hier findest Du die Präsentation noch einmal zum Nachlesen >

Die Vorbereitungen für CONNECT 27 laufen.

Was könnte ein besserer Ort für ein Madaster-Netzwerktreffen sein, als eine sozialistische Planstadt, die heute Schauplatz von Leerstand, Rückbau und Transformation ist? Inmitten von Deutschlands größtem Flächendenkmal findet am 20. und 21. April madaster connect 2027 statt!

Freut Euch wieder auf ein interdisziplinäres und abwechslungsreiches Programm! Neben der Auseinandersetzung mit dem Ort selbst wird Eisenhüttenstadt für uns zum Arbeitsraum und Rahmen, um zirkuläre Projekte, Strategien und Fragestellungen aus dem Madaster Netzwerk zu besprechen.

Exklusiver Preview

Madaster Match – Der nächste Schritt für skaliertes Urban Mining

Madaster Match ist die konsequente Weiterentwicklung der Madaster Plattform und macht ab September Rückbau- und Sanierungsprojekte öffentlich sichtbar. Damit entsteht erstmals die Grundlage, große Materialflüsse systematisch zu erfassen, zu vernetzen und in zirkuläre Wertschöpfung zu überführen.

Madaster Match ist kein Marktplatz. Im Fokus stehen nicht einzelne Bauteile, sondern relevante Materialströme, Industrial ReUse und hochwertiges Recycling. Match erschließt Sekundärressourcen, vernetzt Akteure entlang der Wertschöpfungskette und schafft die Voraussetzung, zirkuläre Bauprozesse skalierbar umzusetzen.

Sei dabei, das sind die nächsten Schritte >

Das waren unsere Workshops

madaster CONNECT plus Bildergalerie


In der madaster CONNECT- Galerie sind die schönsten Schnappschüsse vom Event zu finden. Mit dem #madasterCONNECT setzen wir als Netzwerk für zirkuläres Bauen ein starkes gemeinsames Zeichen!


Rückschau- madaster CONNECT best practice 2025

Wow, was für ein Ort und was für ein Tag! Ein starkes Netzwerkevent, was auf lange Zeit in Erinnerung bleibt.

Rückschau- madaster CONNECT vision 2024

Ein Tag voller wertvoller ehrlicher Einblicke in Unternehmensstrategien und die Herausforderungen im Umgang mit der Umsetzung von Kreislaufwirtschaft. Die Zusammenfassung aller Inhalte und Workshopergebnisse haben wir für euch in der Rückschau zusammengestellt.

Rückschau- madaster Netzwerkevent März 2024

Die besten Momente noch einmal erleben: In unserer Event-Zusammenfassung präsentieren wir die Highlights des Events zusammen mit vielen interessanten Hintergrundinformationen.

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