
Low Carbon TGA
Wie BIM zur CO₂-Reduktion beiträgt
Der Workshop befasste sich mit der zentralen Frage, wie sich Technische Gebäudeausrüstung (TGA) unter Berücksichtigung von Zirkularität, Ökobilanz (LCA) und BIM-Methoden nachhaltig gestalten lässt. Ziel war es, Praxisbeispiele, Herausforderungen und Lösungen gemeinsam mit Vertreter:innen aus Planung, Bau, Software und Industrie zu diskutieren.
Impulsvortrag
Zu Beginn des Workshops stellte Laura Beutel in einem Impulsvortrag den aktuellen Stand der Integration von TGA in nachhaltige Planungsprozesse vor. Dabei lag der Fokus auf der Kostengruppe 400, also der TGA, die im Vergleich zu anderen Bauteilgruppen noch stark unterentwickelt ist, insbesondere im Hinblick auf Zirkularität und CO₂-Bilanzen. Die derzeitigen Berechnungen erfolgen meist stark vereinfacht über Sockelbeträge, ohne Differenzierung zwischen Low-Tech- oder High-Tech-Systemen. Ein großer blinder Fleck ist die Verteilung und Übergabe, die zwar nur einen geringen Masseanteil (ca. 3 %) ausmacht, aber bis zu 77 % der CO₂-Masse verursachen kann und deshalb ein massiver CO₂-Treiber ist, der aktuell kaum berücksichtigt wird.
Vorstellung der Teilnehmenden
In der anschließenden Vorstellungsrunde wurde deutlich, wie breit das Interesse an nachhaltiger TGA und BIM-Integration ist. Unter anderem meldeten sich folgende Organisationen und Unternehmen zu Wort:
Hersteller:
- das Potenzial zirkulärer Armaturen.
- die offene Frage, was nach der Erstellung von EPDs mit den Daten geschieht.
- dass Leuchten im Betrieb bis zu 98 % des CO₂-Ausstoßes verursachen. Es gebe Bemühungen zur Wiederverwendung von Aluminium aus Altleuchten, doch der Fokus auf Leuchten sei bislang zu gering.
Bauunternehmen:
- beschrieben die TGA als „Blackbox“, brachte jedoch ein positives Beispiel mit: Wechselrichter, die Bauteile aus alten Anlagen enthalten.
- thematisierten insbesondere BIM-Koordination und -Management sowie die Hürden bei der Integration der TGA-Daten in Madaster.
- betonten, dass TGA aufgrund ihrer einfacheren Rückbaubarkeit ein höheres Potenzial für Zirkularität habe.
- beschrieben die Herausforderungen bei der TGA-Digitalisierung – aktuell erfolgt vieles manuell in Excel, da die Daten zu komplex für automatisierte Uploads sind
Planungsbüros:
- interessierten sich besonders für Common Data Environments (CDEs) und die Integration von TGA in BIM-Modelle. Bisher spiele TGA bei Madaster allerdings eine untergeordnete Rolle.
- stellten konkrete Fragen zur Anwendungsumsetzung von TGA in Madaster.
- verwiesen auf die Unterrepräsentation der TGA in BIM-Modellen.
Projektentwickler:
- zeigten, dass vor allem im Wohnungsbau große Unterschiede bei der TGA-Zirkularität bestehen – Kupferkabel seien mit am zirkulärsten, wenn sie gut geplant sind.
Software:
- verwiesen auf Möglichkeiten, TGA und Nachhaltigkeit über Autodesk-Lösungen zu verknüpfen – dies müsse aber aktiv entwickelt werden.
Praxisbeispiel und technische Herausforderungen
In einem konkreten Praxisbeispiel wurde deutlich, welche technischen Anforderungen erfüllt sein müssen, um die TGA in BIM-Modellen CO₂-bewusst abzubilden. Eine zentrale Voraussetzung ist die Nutzung des IFC4-Standards, um die notwendigen Material- und Geometrieinformationen exakt abbilden zu können. Viele Modelle sind jedoch unvollständig: Materialien fehlen, Rohre sind als massive Volumenkörper modelliert statt hohl, was falsche Mengenberechnungen zur Folge hat. Zudem müssen ganze Kostengruppen vollständig modelliert sein – etwas, das meist nicht in den HOAI-Leistungsbildern enthalten ist und daher auch nicht beauftragt oder vergütet wird.
Ein Update der HOAI ist geplant, wird aber noch 2–3 Jahre dauern. Bis dahin kann nur über AIA (Auftraggeber-Informationsanforderungen) eine verlässliche Datengrundlage für den Gebäuderessourcenpass und LCA geschaffen werden. Wichtig ist dabei, zunächst die großen Massen (80 %) abzubilden. Für alles Weitere ist technische Unterstützung durch CAD-Software notwendig – Automatisierung ist entscheidend, manuelle Arbeit durch Planer ist nicht zielführend.
Diskussionsrunde
Frage 1: Low-Tech oder High-Tech – was ist nachhaltiger?
Es gibt keine pauschale Antwort. Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile. Empfehlenswert sei es, zunächst die Kostengruppe 300 (Baukonstruktion) zu optimieren, bevor man sich der KG 400 (TGA) widmet. Ein übergreifendes Ziel sollte sein: so wenig TGA wie nötig – durch smarte Systeme, gezielte Bestandserfassung und Retrofit-Maßnahmen. Dabei wurde deutlich: CO₂-Optimierung ist nicht gleich Zirkularität.
Frage 2: Wie kann man Ökobilanz mit Zirkularität verknüpfen?
Ein zentrales Problem ist der Mangel an genormten Daten. Viele Produktdatenblätter fehlen oder sind unvollständig, die Demontierbarkeit ist selten dokumentiert, und Sortenreinheit ist schwer umsetzbar. Gerade bei Bauteilen mit geringer Masse aber hoher Materialvielfalt ist der Trennaufwand hoch, ein wirtschaftlicher Rückfluss durch Wiederverwertung (Reuse) bleibt oft aus. Hier besteht großer Entwicklungsbedarf, auch hinsichtlich der Nachfrage nach gebrauchten Materialien.
Frage 3: Was braucht Madaster für die Integration der TGA?
Es braucht klare Definitionen und ein gemeinsames Verständnis darüber, was Hersteller liefern müssen und was Planer bereitstellen sollen. Ein „Rezeptbuch“ mit Standards wäre hilfreich. Psets (Property Sets) müssen in CAD-Modellen eindeutig definiert werden. Transparenz seitens der Hersteller und verlässliche Rahmenbedingungen sind Voraussetzung für eine effektive Integration in Madaster.

Fazit und Ausblick
TGA spielt eine zentrale Rolle in der CO₂-Bilanz von Gebäuden, ist aber bislang nur unzureichend in BIM- und Zirkularitätsstrategien eingebunden. Der Workshop hat gezeigt, dass es großes Potenzial gibt – insbesondere durch automatisierte Prozesse, klare Standards und bessere Datenverfügbarkeit. Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten: Planer:innen, Hersteller, Softwareanbieter, Auditoren und Bauherren. Nur durch dieses Zusammenspiel lassen sich praktikable und skalierbare Lösungen entwickeln.
Unsere Referentin
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Laura Beutel
LIST Eco (Projektmanagerin nachhaltiges Bauen)