Zirkulär ausschreiben

Wie gelingt eine Ausschreibung, die Kreislauffähigkeit wirklich mitdenkt? Gemeinsam mit Alexandra Niedenhoff (Kaufmännische Vorständin bei kowobau/Hebertshausen), dem Anwalt André Siedenberg (Fachanwalt für Vergaberecht/Düsseldorf) und zahlreichen Teilnehmenden aus dem Madaster-Netzwerk haben wir im Workshop „Zirkuläre Ausschreibung“ genau das diskutiert, am Beispiel eines realen Projekts: dem neuen Ärztehaus in Hebertshausen.

Mut zur Offenheit

„Zirkuläre Ausschreibung braucht Mut, aber noch mehr Durchhaltevermögen“, brachte es Rechtsanwalt André Siedenberg gleich zu Beginn auf den Punkt. Dieser Mut war bei kowobau gefragt: Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft hat mit Leistungsphase 5 entschieden, die Ausschreibung funktional zu gestalten. Statt konkreter Vorgaben standen Ziele und Anforderungen im Fokus und damit auch die Offenheit für kreative Lösungen.

Doch genau diese Offenheit brachte auch Unsicherheit mit sich. „Es war ein bisschen wie eine Wundertüte. Wir wussten nicht, was die Bietenden einreichen werden“, so Alexandra Niedenhoff, Vorstand bei kowobau. Es hätten konventionelle Massivbauweise, Holzständer- oder Stahl-/Holzbauweise sein können: Die Ausschreibung verlangte, alle Materialien und die Bauweise konsequent offenzulegen und mit CO2-Äquivalenten, Rückbaubarkeit und ökonomischen Folgenkosten zu bepreisen. Drei Angebote gingen ein und viele Fragen in den darauffolgenden Bietergesprächen: Was sollen wir anbieten? Welche Bodenbeläge, welche Heizung, welche Energie-Effizienzklasse? Ein Hinweis darauf, dass zu viel Spielraum auch überfordern kann und nicht automatisch zur erhofften „neuen Bauwelt“ führt. Die Rückmeldungen zeigten: Es braucht klare Rahmenbedingungen und ein gutes Erwartungsmanagement.

Zirkularität bewerten – aber wie?

Um Zirkularität in der Ausschreibung auch bewerten zu können, entwickelte kowobau gemeinsam mit der Agentur Ressourcenwunder ein erstes Bewertungssystem für das Pilotprojekt. Ziel war es, Nachhaltigkeitsaspekte greifbar zu machen – ohne dabei den wirtschaftlichen Rahmen aus dem Blick zu verlieren. Das Ergebnis war ein einfaches, aber klares Punktesystem:

  • 70 % Preis (incl. Fördermitteln und Lebenszykluskosten)
  • 25 % Nachhaltigkeit (Materialien, Kreislauffähigkeit, Ressourcenpass)
  • 5 % Konzeptvorschlag

Doch die Umsetzung war komplexer als gedacht: Unterschiedliche Konstruktionsansätze, variierende Emissionsdaten oder Fragen wie „mit oder ohne Keller?“ erschwerten die Vergleichbarkeit. Erst zwei weitere Ausschreibungsrunden führten zu einem vergleichbaren Ergebnis bei den eingegangenen Angeboten. Ein wertvolles Learning für künftige Projekte, denn so werden zukünftige Anbieter besser vorbereitet sein.

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