Entsorgt statt genutzt

Im Workshop „Abbruch & Demontage“ zeigte Lea Kreimeier (Knepper Gruppe), wie komplex der Weg von Rückbau zu Wiederverwendung ist und wo heute noch zentrale Lücken bestehen. Knepper entwickelt für Demontageprojekte bereits in der Begehung Rückbaukonzepte, die Kosten und Stoffströme mitdenken und festlegen, welche Materialien wohin gehen und wie sie verwertet werden. Deutlich wurde jedoch: Rückbauer:innen können diese Fragen nicht allein beantworten. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Lücke zwischen Rückbau und nächster Nutzung. Fehlende Dokumentation, unklare Definitionen („Ab wann ist ein Bauteil Abfall?“) und mangelnde Transparenz darüber, wo sich welche Produkte im Bestand befinden, erschweren ReUse und hochwertige Verwertung erheblich. Gleichzeitig steht selektiver Rückbau im Wettbewerb mit konventionellen, schnellen und günstigen Abrissprozessen, was wirtschaftliche Anreize verzerrt.

In einer zweiten Phase wurden Bausteine für neue Prozesse diskutiert. Im Fokus standen standardisierte Rückbaukonzepte (nicht nur als Text), klare Anforderungen in Ausschreibungen und die Rolle von Planenden, die stärker als Berater:innen für zirkuläres Bauen agieren. Zentral waren dabei die Prinzipien Design for Durability, Design for Adaptability, Design for Disassembly, ergänzt um eine nachvollziehbare Darstellung der finanziellen Vorteile für Bauherr:innen. An Beispielen wie Tarkett, Concular-Zwischenlagern oder den Rohstoffkreisläufen der DB-Infrastruktur wurde sichtbar, dass funktionierende Geschäftsmodelle für Rückbau und Wiederverwendung bereits existieren. Zugleich scheitern andere Ansätze, etwa Pfandsysteme, an bilanziellen oder prozessualen Hürden. Der Madaster-Demontierbarkeitsindex verdeutlicht zudem, wie kritisch kleine „nicht lösbare“ Anteile für die Gesamtbewertung eines Produkts sein können.

In der gemeinsamen Diskussion rückten schließlich drei Ebenen in den Blick: Investor:innen, Planung und Regulierung. Genannt wurden u. a. Gebäuderestwert, Rohstoffrestwert, Rückbauquoten und der Gebäuderessourcenpass als mögliche Kennziffern, die Banken und Investoren künftig stärker berücksichtigen könnten. Idealerweise inklusive des Bestands, nicht nur im Neubau. Auf Planungsebene wurden Standards für Demontierbarkeit und ReUse-fähige Ausschreibungen eingefordert. Auf der Metaebene ging es um klare Signale von Bauherr:innen, den nötigen Druck durch Gesetzgebung (inklusive Abfall- bzw. CO₂-bezogener Steuern) und die Bündelung heute fragmentierter Plattformen hin zu „Design by Availability“: Materialien aus anstehenden Rückbauten werden sichtbar gemacht und gezielt in neue Projekte integriert. Gleichzeitig wurde deutlich, dass hohe Qualitätsanforderungen mancher Hersteller (nur Verschnitt, keine Gebrauchsspuren) den Markt für wiederverwendete Bauteile unnötig einengen – und dass genau hier neue, pragmatische Standards für zirkuläres Bauen ansetzen müssen.

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